In einer Woche sollte der Grundkurs Rudern im Ruderclub Rapperswil-Jona starten. Ein Blick auf
das Display meines Handys zeigte mir eine Nachricht auf WhatsApp: die Einladung und Hinweise
zum Grundkurs Rudern mit allen nötigen Informationen, was mitzubringen ist und wann wir uns wo
treffen.
Eine leise Vorfreude kam in mir auf, gepaart mit etwas Skepsis. Die Erinnerung an den
Schnupperkurs, der bei mir schon zwei Jahre zurücklag – damals war ich an den Terminen des
anschliessenden Grundkurses verhindert – weckte positive Gefühle: Der Schnupperkurs fand an
einem strahlend sonnigen Tag statt, mit einer Traumkulisse auf dem Obersee. Skepsis kam auf, weil
ich mich daran erinnerte, wie ich Mühe hatte, bei den Ruderschlägen synchron mitzuhalten und wie
mir danach irgendwie alles weh tat. Dennoch hatte mich der Gedanke, mit dem Rudern anzufangen,
nie losgelassen. So meldete ich mich zum Grundkurs an – und bekam gleich einen Platz. Ein gutes
Zeichen.
Nun sollte es morgen losgehen: das erste Blockwochenende mit drei Tagen Rudern am Stück. Wie
ich das wohl meistern würde? Treffpunkt war um 8.30 Uhr im ersten Stock des Ruderclubs. Nach
dem pünktlichen Erscheinen aller Teilnehmer wurde mir sofort klar, wie wichtig Pünktlichkeit ist:
Da man meist zu fünft oder jedenfalls zu mehreren in einem Boot sitzt, können nicht alle
nacheinander eintreffen – es soll gleich losgehen. Nach einer Begrüssung und kurzen Vorstellrunde
der Kursteilnehmer und Trainer erklärte Andreas, unser Kursleiter, das Ziel des Kurses: Nach
Kursende sollen alle Teilnehmer selbständig rudern können – inklusive Vor- und Nachbereitung des
Bootes.
Zur Vorbereitung trainierten wir zuerst auf dem Ergometer den Ruderablauf als Trockenübung.
Ein Trainer zeigte uns den Ablauf eines perfekten Ruderschlags. Es galt nun diesen Ablauf wie ein
Roboter zu verinnerlichen, und ihn auch mit derselben Präzision umzusetzen: Arme – Oberkörper –
Beine, und zurück Beine – Oberkörper – Arme. Der Oberkörper soll aufrecht mit stolzer Haltung
sein, die Arme etwa im 90-Grad-Winkel, der Griff locker gehalten. Ganz schön viel, woran man
denken muss. Die Trainer korrigierten uns bei Abweichungen, damit wir den Bewegungsablauf von
Anfang an richtig verinnerlichten.
Wer nun dachte, es folge ein theoretischer Teil, lag falsch. Es ging direkt in die Bootshalle – Ziel:
aufs Wasser. Die Gruppe wurde auf drei Boote mit je vier Kursteilnehmern und einem Trainer
aufgeteilt. Uns wurde gezeigt, wie man das Boot einträgt, die Strecke plant und die Mannschaft im
Computer erfasst. Nach dem Anziehen der Schwimmwesten ging es los: Boote herausnehmen,
fachgerecht aufbocken, sämtliche Eselsbrücken für Backbord und Steuerbord erklärt, die
Ausrichtung der Dollen, Einstellung des Stemmbretts, Einfädeln der Ruder, wie das Steuer
einzusetzen ist. Am ersten Tag übernahm der Trainer den Schlag. Dann wurden die Boote zum
Wasser gefahren und über die Rolle eingesetzt. Weitere Erklärungen folgten zur Reihenfolge beim
Einfädeln der Ruder und zur Gewichtsverteilung beim Schliessen der dem Steg abgewandten Dolle.
Wichtigstes Prinzip beim Vorbereiten des Ruderganges: Ordnung und klar strukturierte Abläufe.
Nun sassen wir zu fünft im Boot und es ging los. Wir stiessen uns vom Steg ab und glitten auf den
See hinaus. Beste Bedingungen: ruhiger See, sonniges Wetter. Die erste Lektion: Stabilität. Wenn
gar nichts mehr geht, legen alle die Ruderblätter flach aufs Wasser – „Ruder ab“. Dann ging es an
die Umsetzung des Ruderschlags: zuerst nur Arme, dann Oberkörper dazu, und auf „3“ die ganze
Rollbahn. Wichtig: langsam rollen, nicht schnell rudern, sondern den Ablauf ruhig und sauber
abspulen.
Natürlich blieb es nicht aus, dass das Boot wackelte und wir „chrebsen“ – also die Ruderblätter
aneinanderstiessen. Immer wieder hiess es „Ruder ab“, um uns zu sortieren. Von Mal zu Mal wurde
es besser, und plötzlich waren wir schon fast in Hurden. Wir bekamen ein Gefühl dafür, wie schnell
man mit einem Ruderboot vorankommt. Da wir zu einer bestimmten Zeit zurück sein mussten,
kehrten wir um. Das Ansteuern des Stegs übernahm der Trainer. Danach folgte das Auswassern und
Putzen des Bootes – besonders die Rollschienen und die Aussenhaut.
Beim Ansteuern des Stegs muss man sich bewusst sein, dass man rückwärts rudert und nicht sieht,
wohin man fährt. Der Steuermann auf Position 1 muss sich daher alle 5–10 Schläge umdrehen,
Untiefen, Boote und Hindernisse im Auge behalten und das Steuer entsprechend setzen. Nach dem
Anlegen: Dollen öffnen, nacheinander aussteigen, Ruder einziehen, Boot über die Rolle aus dem
Wasser ziehen, auf die Wagen legen und ins Bootshaus bringen.
Vor dem Mittagessen folgte ein zweiter Wassergang. Die Gruppen wurden gemischt, und eine kleine
Runde wurde gerudert. Schon nach zwei Fahrten stellte sich eine gewisse Routine ein.
Am Nachmittag folgte Theorie in Gruppenarbeit zum Thema Sicherheit auf dem Wasser, welches
jede Gruppe dann allen präsentierte:
- Wetter/Natur: Wetterprognosen, Wetterlagen, die das Rudern erlauben.
- Regeln auf dem See: Fahrordnung, Signalisation, Vortrittsregeln, Fahrtenbuch, Schwimmweste.
- Verhalten bei Ereignissen: Unfall, ausserordentliche Situationen, Umgang mit der Mannschaft.
Nach Präsentationen und Feedback endete der Tag gegen 15.30 Uhr.
Der eine oder andere berichtete am nächsten Morgen, dass das Bett nachts leicht „geschwankt“
habe.
Am zweiten Tag folgten drei Wassergänge. Neue Trainer, neue Zusammensetzungen – immer
wieder neue Inputs. Wir übten das Wenden über Backbord bzw. Steuerbord und das Vorwärtsrudern
(Ruderblätter umgekehrt ins Wasser legen und in Fahrtrichtung rudern), das man zum Manövrieren
braucht.
Die Positionen im Boot wurden durchgewechselt: Steuermann, Schlagposition, Mittelpositionen.
Nach dem Mittagessen gönnte sich mancher ein kleines Schläfchen – körperlich ist der Grundkurs
nicht extrem anstrengend, geistig aber sehr.
Am dritten Tag kamen wir motiviert, aber etwas ermüdet. Zwei Teilnehmer hatten bereits Blasen an
den Händen – ein Zeichen dafür, wie fein man den Griff eigentlich halten sollte und wie viel Kraft
aus den Beinen kommen sollte. Wir führten drei Wassergänge durch. Weitere Themen: „Stopp“
(Notbremsen), erhöhte Aufmerksamkeit wegen des starken Sonntagsverkehrs auf dem See.
Eine besondere Übung: Rudern mit geschlossenen Augen. Ich dachte zuerst, das gäbe Chaos. Doch
erstaunlicherweise fanden wir in den Rhythmus – der Trainer meinte sogar, das Boot sei ruhiger
gelaufen.
Nach drei intensiven Tagen folgte eine zweiwöchige Pause, dann das zweite Blockwochenende.
Am ersten Tag des zweiten Blocks gab es wieder drei Wassergänge im Fünferboot, mit wechselnden
Trainern und Teams. Jeder konnte das Gelernte vertiefen.
Am letzten Tag ruderten wir am Morgen nochmals im Fünferboot, inklusive Übungen wie Wenden
oder Rudern mit geschlossenen Augen. Eine weitere Übung war das Anhalten an bestimmten
Punkten des Ruderschlags: Der Trainer sagt „Stop“, alle halten exakt an, und auf „Go“ geht es
weiter.
Nach dem ersten Wassergang durften wir verschiedene andere Boote ausprobieren: Dreier-, Zweier-
und Einerboote. Ohne Trainer fuhren wir kleine Runden und merkten schnell: Je kleiner das Boot,
desto instabiler.
Nach dem Mittagessen folgte wetterbedingt Theorie: Wiederholung aller sicherheitsrelevanten
Aspekte. Danach eine Präsentation über den Club und seine Aktivitäten. Zum Abschluss bedankte
sich Andreas bei den Trainern, und wir bedankten uns bei Andreas und seinem Team für die tolle
Begleitung und den fordernden, aber lehrreichen Grundkurs. Alle hatten den Kurs erfolgreich
absolviert und erhielten ein Trikot in den Farben des Ruderclubs Rapperswil-Jona.
Nach einer positiven Feedbackrunde verabschiedeten wir uns.
Auf ein Wiedersehen auf dem Wasser!


















